Die unverbrüchliche Solidarität in einer Extremsituation und die Fähigkeit, sich zu befreien

Im Vergleich der beiden Pass-Netzwerke des WM-Finales drückt sich das spielerische Ungleichgewicht deutlich aus: Hier das gewohnt dichte Beziehungsgeflecht der Spanier, dort der reaktive Minimalismus der Holländer. Das Aufeinandertreffen zweier so unterschiedlicher Spielkulturen hätte unter weniger erhitzten Umständen Raum für einen spannenden ballesterischen Schlagabtausch bieten können. Die Schläge und Tritte aber, welche die Holländer den Spaniern für den Affront spielerischer Überlegenheit verpassten, erstickten das Entstehen eines kontinuierlichen Spielflusses im Keim. Selbst dem sonst so robusten Netzwerk der Spanier merkt man eine gewisse diffuse Gedrücktheit bzw. Fahrigkeit an. Dennoch wäre wohl kein anderes Team derzeit in der Lage, eine derart destruktive Spielweise wie jene der Holländer zu überstehen. Die immerwährende Gegenseitigkeit zwischen Xavi und Iniesta etwa nimmt sich unter dieser Perspektive als unverbrüchliche Solidarität in einer psychischen wie physischen Extremsituation aus.

Die buchstäbliche Eingespieltheit des Teams war denn auch der Schlüssel zum WM-Titel: Abgesehen von der Eröffnungsniederlage gegen die Schweiz entfaltete sich das iberische Ensemble in jeder Begegnung als spielmachendes Kollektiv, das sich gegenüber den Anfechtungen der gegnerischen Überwindungsstrategien unantastbar erweist. Was diesem WM-Triumph an spielerischem Glanz gefehlt haben mag, wurde durch die dazugewonnene Fähigkeit kompensiert, sich aus gegensätzlichen und zuweilen scheinbar unmöglichen Konfrontationen zu befreien: sei es der ambitionierte Versuch der Chilenen, die Spanier in die Defensive zu zwingen, sei es das präzise Pressing der Paraguayer oder aber die grenzwertige körperliche Aggressivität der Holländer. Von der im Turnierverlauf zu beobachtenden niederländischen Beständigkeit bleibt im Netzwerk des Finales nicht viel über.

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Stekelenburg-Mathijsen15

2. Sneijder-Robben13

3. Van Bronckhorst-Kuyt12

4. Van Bommel-Van Persie9

4. Heitinga-Van Bommel9

4. Van der Wiel-Robben9

4. Van Persie-Sneijder9

4. Van Bronckhorst-Van Persie9

9. Van der Wiel-Stekelenburg8

9. Heitinga-Robben8

9. Van der Wiel-Van Bommel8

12. Mathijsen-Stekelenburg7

12. De Jong-Sneijder7

12. Van Persie-Robben7

12. Stekelenburg-Robben7

12. Sneijder-Van Persie7

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Sneijder92 (43/49)

2. Van Persie88 (27/61)

3. Robben85 (26/59)

4. Mathijsen71 (42/29)

5. Stekelenburg69 (45/24)

6. Van Bommel68 (39/29)

6. Van der Wiel68 (40/28)

8. Kuyt59 (21/38)

9. Heitinga56 (35/21)

10. De Jong52 (31/21)

11. Van Bronckhorst45 (29/16)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. De Jong93,55 (29 von 31)

2. Van der Vaart90,00 ( 9 von 10)

3. Van Persie85,19 (23 von 27)

4. Van der Wiel85,00 (34 von 40)

5. Sneijder83,72 (36 von 43)

6. Kuyt76,19 (16 von 21)

7. Van Bommel74,36 (29 von 39)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Capdevila-Iniesta20

2. Iniesta-Xavi19

3. Busquets-Xavi15

4. Xabi Alonso-Iniesta14

4. Xavi-Iniesta14

4. Xavi-Puyol14

7. Puyol-Xavi13

7. Xavi-Villa13

7. Xavi-Pique13

7. Xavi-Ramos13

7. Capdevila-Xavi13

12. Ramos-Xavi12

12. Xavi-Busquets12

14. Iniesta-Capdevila11

14. Fabregas-Iniesta11

14. Puyol-Capdevila11

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Xavi224 (112/112)

2. Iniesta153 ( 65/ 88)

3. Busquets139 ( 74/ 65)

4. Capdevila120 ( 70/ 50)

5. Puyol110 ( 59/ 51)

6. Ramos108 ( 62/ 46)

7. Xabi Alonso103 ( 57/ 46)

8. Pique100 ( 56/ 44)

9. Villa75 ( 15/ 60)

10. Fabregas70 ( 36/ 34)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Fabregas97,22 ( 35 von 36)

2. Busquets95,95 ( 71 von 74)

3. Puyol91,53 ( 54 von 59)

4. Xavi90,18 (101 von 112)

5. Ramos88,71 ( 55 von 62)

6. Pique87,50 ( 49 von 56)

7. Capdevila84,29 ( 59 von 70)

8. Xabi Alonso84,21 ( 48 von 57)

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe. (red)

Die Analytiker

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei der WM 2006 und der EURO 2008 im Einsatz und beobachtete exklusiv für den Standard die Endrunde in Südafrika. Auch alle österreichischen Länderspiele werden analysiert.

Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Harald Katzmair.